Syndikat Gefährliche Liebschaften

Syndikat Gefährliche Liebschaften

arbeitet vorrangig in Quakenbrück und Leipzig. Das Syndikat sucht Geschichten ländlicher Räume, die zum Perspektivwechsel einladen und unsere Verflechtungen miteinander zeigen. Mal entsteht Theater, mal eine Ausstellung oder ein Hörspiel. Zwischen ehrlicher Interaktion und steiler Behauptung wird das Publikum zu Stellungnahmen verführt.

April: „Ein Stück Eythra“ als Hörspiel | Sommer: „Im tiefen, queeren Wald“ auf Tour durch Radios & Festivals | November: Freischwimmen-Residenz bei Theater Rampe in Stuttgart

#TakeCareResidenzen (2020/2021)

Dank einer Förderung durch den Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von NEUSTART KULTUR und die Unterstützung durch theater wrede+, Theaterlabor Bielefeld und LOFFT konnten wir mehrere Residenzen durchführen. Vielen Dank!

Publikumsforschung in mittelgroßen Städten am Beispiel Oldenburg
Silvan Stephan und Felix Worpenberg | Residenz am theater wrede+

Das theater wrede+ in Oldenburg denkt sein Abendprogramm neu. Dabei spielen Freie Theatergruppen aus Niedersachsen eine zentrale Rolle: Wie können durch Gastspiele innovativer, junger Theatermacher:innen spannende Begegnungen und intensivere Bindungen mit dem Publikum in Oldenburg geschaffen werden? Wir haben uns in unserer TakeCareResidenz mit dieser Frage beschäftigt und auf Basis von Recherchen zunächst einen Kriterienkatalog, dann ein künstlerisches Konzept für ein Gastspiel- und Vermittlungsprogramm mit dem Titel Let’s watch! entwickelt.

Im Verschwinden erscheint es: Eine Versammlung der ländlichen DDR
Micha Kranixfeld | Residenz am LOFFT

Im Rahmen der Residenz beschäftigte ich mich mit (historisch gewordenen und fortbestehenden) Versammlungs- und Vergemeinschaftungsformen in ländlichen Räumen Ostdeutschlands und führte dazu Interviews. In einer Phase des Abschweifens nahm ich Momente und Assoziationen aus Interviews mit in eine breitere Suche nach nicht-menschlichen Akteur:innen in den ihm erzählten Versammlungen (Gurken & Bier im Gärtchen, Faschingsfeste, Tanzveranstaltungen, Erntedank,…). Ausgehend von der Geschichte des Broilers begann ich dann, Fleisch als Versammlungsakteur zu denken und folgte dieser Spur auf ökofeministischen und kulturhistorischen Spuren. Am Hähnchen lassen sich die Stadt-Land-Beziehungen noch einmal ganz neu erzählen.

Mehr als Beruf – das Dorfleben der osteuropäischen Fleischarbeiter:innen
Aishe Spalthoff | Residenz beim Theaterlabor Bielefeld

Ein zentrales Anliegen meiner Arbeit ist, Geschichten sichtbar zu machen, zum Perspektivwechsel einzuladen und unsere vielfachen Verflechtungen miteinander zu thematisieren. Bei meinen bisherigen Arbeiten gab es immer wieder Berührungspunkte zu Arbeiter:innen, die für eine Tätigkeit in der Fleischindustrie mit ihrer Familie nach Deutschland gekommen sind. Geschichten vom erarbeiteten Eigenheim in der niedersächsischen Provinz und Erlebnisse aus dem Alltag weckten meine Neugier. Die losen Verbindungen aus vorherigen Projekten bilden den Anfang zu meiner Recherche zum Thema Arbeitsmigration: Wie kommt ein rumänischer Familienvater zum Arbeiten in ein deutsches Dorf? Wie sieht der Arbeitsalltag aus, was prägt das Familienleben? Welche Wünsche sind damit verbunden? Welche Feste feiert die Community? Wird im ortsansässigen Fußballverein gespielt? Was sind die Orte, an denen Begegnung entsteht? Die Recherche und Auseinandersetzung bilden die Grundlage für zukünftige Arbeiten.

Widerständige Strategien und feministische Geschichten in Kleinstädten
Marleen Wolter | Residenz beim Theaterlabor Bielefeld

In meiner künstlerischen Arbeit in ländlichen Räumen interessiere ich mich für abseitige Narrative, die die herkömmlichen Vorstellungen von ländlichen Regionen hinterfragen. Gleichzeitig gehe ich an Arbeitsorten Komplizenschaften mit führenden Personen ein und baue auf Strukturen, die ich vorfinde. Dadurch riskieren meine Projekte unkritisch zu bleiben oder (Macht-)Strukturen zu wiederholen, die am Ort eingeschliffen sind. 
Deshalb forsche ich in den Kleinstädten meines Netzwerks nach Inszenierungsprinzipien gesellschaftlicher Macht und nach feministischen Widerstandsstrategien vor Ort, um von diesen zu lernen. Die damit begonnene Auseinandersetzung mit Genderperformances in ländlichen Versammlungen (zwischen Grillfest und Kommunalpolitik) bildet eine Grundlage für zukünftige Arbeiten.

#TakeCareResidenzen (2020/2021)