Syndikat Gefährliche Liebschaften

Schleier Mayer I-VI (seit 2015)

Ob in religiösen Gemeinschaften, beim neuen Mercedes-Modell oder den Antifaschisten: Ein Stück Stoff verhüllt das Gewöhnliche, um es besonders zu machen und von der Welt zu entrücken. Über mehrere Monate produziert das Syndikat gemeinsam mit Bremer*innen Wissen über Verschleierungstaktiken.

 

DIE WERKSTATT
Für mehrere Wochen etabliert das Syndikat im WURST CASE eine offene Werkstatt, in der mit gespendeten Materialien experimentiert werden kann. Gespräche mit Expert*innen für unterschiedliche Schleierformen liefern Anregungen. Schüler*innen der Oberschule Findorff entwickeln Designs aus traditionellen Formen, ungewöhnlichen Stoffen und heutigen Bedürfnissen. Nach und nach entsteht die Kollektion von „Schleier Mayer – Verhüllungsbedarf seit 2015“: Von Ganzkörperschleiern aus Fell, Fokushauben und Komplementärburkas bis hin zu strassbesetzten Sturmhauben.

DER SHOP
Ein großer Kubus, verkleidet mit Spitze und halbdurchsichtigen Vorhängen taucht auf Marktplätzen in Bremen auf. Das Syndikat stellte sich als junges Fashion Startup vor, das seiner Kundschaft anbietet, den Schleier für sich zu entdecken. Die Erscheinung provoziert: Verwunderte Blicke im Vorbeigehen, alberne und verärgerte Zurufe – vor allem aber viele Gespräche: „Wofür brauchst du den Schleier?“ Der unmittelbare Kontakt zu den Materialien der Kollektion und der Austausch über Techniken des Verschleierns als feministische und widerständige Praxis rufen Begehren und Widerspruch hervor. Der Shop ist ein Ort des Diskurses – ohne sich als solcher vorzustellen.

Das Syndikat bietet ad hoc Beratungen an, bei denen es Schleier nach den individuellen Wünschen seiner Kund*innen gestaltet. Ein Schleier zum Weinen in der Öffentlichkeit. Ein Schleier für anonyme Clubnächte. Ein Schleier die ungeschminkte politische Meinung.

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DIE SHOW
Theaterperformance, Revue & Fashion-Geständnis

Das Syndikat widmet diesen Abend der stofflichen Oberfläche. Zwischen komischer Objekt-Performance, Tanz und Recherchestück stehen Beschränkung, Befreiung und Begehren im Blickregime der Bühne zur Verhandlung. Die Performenden sind verschleiert. Der Schleier performt. In Schleier Mayer – Die Show widersetzen sich die Performer*innen vermeintlichen kulturellen wie geschlechtlichen Diktaten und holen ein Sortiment eigener Schleiermodelle auf ihre Gala-Bühne. Schleier Mayer – die Show ist eine behutsame Fetisch-Schau zwischen Verdecken und Betonen, Täuschen und Ent-Täuschen. Das Syndikat Gefährliche Liebschaften kreuzt Verschleierung mit Travestie und fragt, warum wir lieben und fürchten, was anders ist.

Dauer: ca. 55 Min.

„Auf der Bühne entsteht eine Schichtarbeit: Aus unzähligen Tüchern, Decken, Glitzer-Sturmhauben und Perücken thematisieren die Akteure den Stoff, der trennt und verbirgt, für manchen ein Gottesdienst, für den anderen unheimlich ist.“ (Weser-Kurier)

„Ja, dieser Theaterabend ist eine Klamotte. Und das ist witzig, wohltuend – und hochpolitisch. (…) Den drei vermummten Performern (…) gelingt ein kluger Theaterabend, der dem zutiefst Menschlichen hinter den Schleiern nachspürt.“ (Hildesheimer Allgemeine)

„Die Gefährlichen Liebschaften stellen der Angst vor dem Kopftuch eine differenziertere Lesart entgegen, die den Schleier auch als Werkzeug von Selbstbestimmung, wenn nicht gar Selbstermächtigung kenntlich macht.“ (Syker Kreiszeitung)

„Ihr Bühnenvorhang wird zum Schleier, zum Stoff aus dem Träume sind, der Phantasien weckt und unsere Neugier.“ (NDR, Ausgestrahlt am 13.01.2016)

Residenzen
Explosive! Internationales Festival für junges Theater und Schwankhalle Bremen

Bisherige Aufführungen
13.01.2016 Schlachthof Bremen (Premiere)
21. – 24.01.2016 Theaterhaus Hildesheim

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DER WORKSHOP
Das Team von Schleier Mayer hat eine neue Schleier-Kollektion mit außergewöhnlichen Modellen entworfen: Schleier für den normalen Alltag und Schleier für besondere Anlässe. Für den Workshop haben sie die Modelle im Gepäck, das Skizzenbuch und einen großen Vorhang. Es geht um das Verdecken und Enthüllen, um Geheimnisse und Schutz.

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Am Thema Schleier kristallisieren sich in unserer Gesellschaft Ängste und Wünsche. Dieser Workshop regt auf spielerische Weise zum Perspektivwechsel an. Teilnehmende ab der 9. Klasse erhalten hier die Möglichkeit, unterschiedliche Formen von Verschleierung zu ergründen, selbst die ausgefallenen Kreationen von Schleier Mayer zu testen und eigene Modelle zu entwerfen. Unter professioneller Anleitung der Künstler*innen und Theaterpädagog*innen des Syndikats Gefährliche Liebschaften entstehen szenische Skizzen und Ausflüge in die Öffentlichkeit. Die Gruppe lädt dazu ein, Fragen aufzuwerfen, eigene Erfahrungen zu thematisieren und neue Impulse aufzunehmen.

„Ungewöhnlich auf den ersten Blick, inhaltsvoll bei genauerem Hinsehen.“ (Achimer Kreiszeitung)

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DIE AUSSTELLUNG
Der Fotograf und Biologe Lars Kaiser inszeniert die Kollektion behutsam als Teil alltäglicher Bremer Szenerien.

Bisherige Stationen
Adamz Bremen, Explosive! Internationales Festival für junges Theater

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TOKYO UNDER COVER
Im Rahmen einer Forschungsresidenz bei Tokyo Wonder Site, Japan, beschäftigt sich das Syndikat mit (muslimischen) Verschleierungspraxen in ungewohntem Terrain.

 

Schleier Mayer I-VI (seit 2015)